Garmin hat heute die neue Fenix 9 Serie in einem Live-Event vorgestellt. Und zwar nicht als ein einzelnes Modell, sondern gleich als komplette Familie mit drei Ausbaustufen und insgesamt acht Gehäusevarianten. Wer schon länger auf einen Nachfolger der Fenix 8 wartet, bekommt damit die größte Auswahl, die es in der Geschichte dieser Baureihe je gab.
Die wichtigsten Neuerungen vorweg. Die Pro-Modelle bekommen erstmals ein komplett aus Titan gefertigtes Gehäuse, das AMOLED-Display der Pro-Version leuchtet mit bis zu 3.000 Nits, die 51-mm-Pro trägt mit 1,5 Zoll das größte Display, das Garmin je in einer Fenix verbaut hat, und der interne Speicher wächst von 32 auf 64 GB. Dazu kommen mehrere neue Softwarefunktionen, allen voran Garmin Epic, die überarbeitete Stamina-Analyse und deutlich erweiterte Leistungsdaten fürs Indoor-Rudern.
Was allerdings gleich bleibt, ist der optische Pulssensor. Garmin verbaut weiterhin den Elevate der fünften Generation. Wer auf einen neuen Sensor mit zusätzlichen Gesundheitsmetriken gehofft hat, wird enttäuscht sein. Dazu später mehr.
Die Fenix 9 Serie ist ab dem 28. August 2026 bestellbar.
Welche Modellversionen gibt es und was kosten sie?
Garmin teilt die Serie in drei Stufen auf, und genau hier lohnt es sich, genau hinzuschauen, weil die Unterschiede nicht nur beim Gehäuse liegen.
Fenix 9 (Basismodell). Sie kommt ausschließlich mit AMOLED-Display in den Größen 43, 47 und 51 mm. Das Gehäuse besteht aus faserverstärktem Polymer, Lünette und Rückseite sind aus Titan gefertigt, vorne sitzt wie gewohnt Saphirglas. Das Display leuchtet laut Garmin doppelt so hell wie bei der Fenix 8. Die integrierte Taschenlampe beherrscht weißes und rotes Licht.
Fenix 9 Pro. Hier steckt der eigentliche Sprung. Das gesamte Gehäuse ist aus Titan, hergestellt in einem Nano-Molding-Verfahren, bei dem Metall und Kunststoff auf molekularer Ebene verbunden werden. Garmin baut die Uhr dadurch flacher, ohne Stabilität einzubüßen. Das AMOLED-Display erreicht bis zu 3.000 Nits, die Taschenlampe leuchtet zusätzlich grün, was die Nachtsicht schont. In 47 und 51 mm gibt es alternativ ein MIP-Display mit Solarlinse. Neu ist außerdem, dass es die Pro erstmals auch in 43 mm gibt.
Fenix 9 Pro mit inReach Technologie. Technisch identisch mit der Pro, ergänzt um LTE und Satellitenkommunikation. Damit kannst du direkt vom Handgelenk telefonieren, Textnachrichten senden, deine LiveTrack-Position teilen und im Notfall einen interaktiven SOS-Ruf an die Garmin Response Notfallzentrale absetzen. Erstmals steht inReach in allen drei Gehäusegrößen zur Verfügung, also auch in 43 mm. Für diese Funktionen brauchst du die Garmin Messenger App und ein aktives inReach-Abo.
Ein kleiner Hinweis zur Namensgebung, weil das aktuell für Verwirrung sorgt. Garmin führt einzelne inReach-Varianten in den eigenen Shoplistings teilweise als „Fenix 9 mit inReach Technologie“ statt als „Fenix 9 Pro mit inReach Technologie“. Die Produktnummern stammen aber aus der Pro-Familie. Es handelt sich also offenbar um uneinheitliche Listing-Texte und nicht um ein viertes Modell.
Preise für Österreich und Deutschland
| Modell | Preis |
|---|---|
| Fenix 9 (43 mm, AMOLED) | ab 999,99 Euro |
| Fenix 9 Pro AMOLED (43 und 47 mm) | 1.099 Euro |
| Fenix 9 Pro Solar (47 mm) | 1.099 Euro |
| Fenix 9 Pro AMOLED oder Solar (51 mm) | 1.199 Euro |
| Aufpreis inReach (alle Pro-Varianten) | 100 Euro |
Einzelne Farbvarianten und Armband-Bundles liegen darüber. In den USA startet die Fenix 9 bei 999,99 Dollar, die Fenix 9 Pro bei 1.099,99 Dollar.
Alle Modellversionen im technischen Vergleich
Fenix 9 | Fenix 9 Pro AMOLED | Fenix 9 Pro SOLAR | ||||||
Version | 43 mm | 47 mm | 51 mm | 43 mm | 47 mm | 51 mm | 47 mm | 51 mm |
Preis | 999,99 € | 999,99 € | 1090,99 € | 1099,99 € | 1099,99 € | 1199,99 € | 1099,99 € | 1199,99 € |
Preis mit inReach® | 1249,99 € | 1249,99 € | 1349,99 € | 1199,99 € | 1299,99 € | |||
Material | Polymer/ Titan Saphirglas | Polymer/ Titan Saphirglas | Polymer/ Titan Saphirglas | Titan / Saphirglas | Titan / Saphirglas | Titan / Saphirglas | Titan / Saphirglas | Titan / Saphirglas |
Display | AMOLED 1,3 Zoll | AMOLED 1,4 Zoll | AMOLED 1,4 Zoll | AMOLED 1,3 Zoll | AMOLED 1,4 Zoll | AMOLED 1,5 Zoll | MIP 1,3 Zoll | MIP 1,4 Zoll |
Akkulaufzeit Smartwatch Modus Aktivitätsmodus max. Genauigkeit | – bis 10 Std. bis 15 Std. | – bis 16 Std. bis 25 Std. | – bis 29 Std. bis 45 Std. | – bis 10 Std. bis 15 Std. | – bis 18 Std. bis 26 Std. | – bis 31 Std. bis 45 Std. | – bis 21 Std./ 34 Tage* bis 38 Std./ 49 Std.* *mit Solar | – bis 30 Std./ 57 Tage* bis 54 Std./ 72 Std. *mit Solar |
Ein paar Anmerkungen dazu, damit du die Zahlen richtig einordnest.
Der Aktivitätsmodus mit maximaler Genauigkeit bedeutet bei Garmin alle Satellitensysteme plus Multiband. Das ist der Modus, den ich bei meinen Streckenmessungen verwende und den du für anspruchsvolles Gelände auch nutzen solltest. Die Solar-Angaben gelten unter Garmins Laborbedingungen, also ganztägiges Tragen mit drei Stunden pro Tag bei 50.000 Lux. Im mitteleuropäischen Alltag wirst du diese Werte nur selten erreichen.
Und noch ein interessantes Detail. Die 51-mm-Pro mit AMOLED hält im Smartwatch-Modus 31 Tage durch, die 51-mm-Basisversion 29 Tage. Das größere und hellere Display kostet also unterm Strich keine Laufzeit, was für eine ordentliche Effizienzarbeit bei Panel und Prozessor spricht.
Was unterscheidet die Fenix 9 von der Fenix 8?
Wenn du aktuell eine Fenix 8 trägst und überlegst, ob sich ein Wechsel lohnt, ist genau dieses Kapitel für dich das wichtigste. Ich habe die Unterschiede in Hardware und Software getrennt.
Die Unterschiede bei der Hardware
Vollttitan-Gehäuse bei den Pro-Modellen. Das ist die auffälligste Neuerung. Die Fenix 8 und auch die Fenix 8 Pro nutzten faserverstärktes Polymer mit einer Metall- beziehungsweise Titan-Rückseite. Bei der Fenix 9 Pro besteht nun das komplette Gehäuse aus Titan. Titan ist rund 40 Prozent leichter als Edelstahl, korrosionsbeständig, nickelfrei und damit gut hautverträglich. Für alle, die viel schwitzen oder im Salzwasser unterwegs sind, ist das ein echter Vorteil.
Deutlich hellere Displays. Die Basisversion leuchtet laut Garmin doppelt so hell wie die Fenix 8, die Pro erreicht bis zu 3.000 Nits. Zum Vergleich, die Fenix 8 Pro kam auf etwa 2.000 Nits. Bei praller Sonne auf einer Bergtour macht sich das bemerkbar.
Größeres Display in der 51-mm-Pro. Erstmals verbaut Garmin ein 1,5-Zoll-Panel mit 38,1 mm Durchmesser und 466 x 466 Pixeln. Das sind 15 Prozent mehr Displayfläche als bei der Fenix 8, und zwar ohne dass das Gehäuse gewachsen ist. Das ist genau die Art von Fortschritt, die ich sehen will, weil sie dem Nutzer etwas bringt, ohne ihm einen noch dickeren Klotz ans Handgelenk zu schnallen.
Doppelter Speicher. 64 GB statt 32 GB. Damit passen doppelt so viele Karten auf die Uhr und bis zu 7.000 Musiktitel.
Mehr Rechenleistung für die Karten. Garmin gibt 50 Prozent mehr Arbeitsspeicher gegenüber der Fenix 8 an, dazu eine überarbeitete Karten-Engine. Das Verschieben der Karte soll bis zu 30 Prozent schneller ablaufen. Das war bei den bisherigen Fenix-Modellen tatsächlich eine der größten Schwächen im Alltag, weil das Panning auf topografischen Karten oft zäh wirkte.
43 mm erreicht die Pro-Klasse. Bei der Fenix 8 Pro gab es nur 47 und 51 mm. Jetzt bekommst du das Titangehäuse und auch inReach in der kleinen Größe. Für schmale Handgelenke ist das eine der besten Nachrichten dieses Launches.
Grünes Licht bei der Taschenlampe. Die Pro-Modelle leuchten neben Weiß und Rot nun auch Grün, was die Nachtsicht besser erhält.
Neue ComfortFit-Armbänder. Ein Gewebeband mit Split-Weave-Design, dehnbar, weich und feuchtigkeitsabweisend, natürlich mit QuickFit-Anschluss.
MIP-Solar bleibt den Pro-Modellen vorbehalten. In der Basisversion gibt es ausschließlich AMOLED. Wenn du also auf maximale Laufzeit und Ablesbarkeit bei direktem Sonnenlicht setzt, führt kein Weg an der Pro in 47 oder 51 mm vorbei.
Was gleich bleibt. 10 ATM Wasserdichtigkeit, Tauchtauglichkeit bis 40 Meter nach EN13319, Saphirglas, Multiband-GNSS mit SatIQ, EKG-Funktion, Lautsprecher und Mikrofon, Garmin Pay. Und eben der Elevate-Pulssensor der fünften Generation.
Und da bin ich bei dem Punkt, den ich kritisch sehen muss. Im Vorfeld wurde intensiv über einen Elevate der sechsten Generation spekuliert, inklusive Blutdrucktrends und verbesserter passiver EKG-Erfassung. Genau das ist nicht gekommen. Bei einer Uhr, die bei 999 Euro startet und in der Vollausstattung deutlich über 1.200 Euro liegt, hätte ich mir beim Sensor mehr erwartet. Wer wegen neuer Gesundheitsmetriken aufrüsten wollte, hat aktuell keinen Grund dazu.
Die Unterschiede bei der Software
Auf der Softwareseite hat sich einiges getan. Die wichtigsten Punkte erkläre ich dir gleich im nächsten Kapitel ausführlich, hier zunächst die kompakte Übersicht.
- Garmin Epic, das Zusammenfassen mehrerer Aktivitäten zu einer durchgehenden Story
- Stamina-Kurve und Stamina-Zonen als Erweiterung der Echtzeit-Stamina
- Vollständige Leistungsanalyse beim Indoor-Rudern mit VO2max, FTP, Leistungskurve, Leistungszonen, Laktatschwelle und maximaler Herzfrequenz
- ArcheryX, ein eigenes Bogenschieß-Profil mit Schusstiming und Zielstabilität, das das bisherige Archery-Profil ersetzt
- Gaming-Aktivität mit Unterstützung der GameOn App
- Erweitertes Rucking mit Änderung des Packgewichts während der Aktivität, GORUCK-Workouts direkt auf der Uhr und Zielwerten bis zu 100 kg Packgewicht
- Steigungsangepasste Pace als Grundlage für Workouts beim Laufen
- Perspektivische Kartenansicht, die dir mehr Detail im Nah- und Fernbereich zeigt
- Gemischte Multisport-Sessions und manuell zusammengestellte Multisport-Aktivitäten
- Sportergebnisse als tägliche Smart-Funktion
- Satelliten-Wetter und Garmin Locate bei den inReach-Varianten, beides gab es bei der Fenix 8 Pro noch nicht
Welche neuen Funktionen bringt die Fenix 9?
Vier Neuerungen halte ich für wirklich relevant. Die schauen wir uns jetzt im Detail an.
Was ist Garmin Epic und was bringt es dir?
Garmin Epic ist die Funktion, die Garmin beim Launch am prominentesten beworben hat, und sie ist tatsächlich eine sinnvolle Ergänzung.
Bisher hast du jede Etappe einer mehrtägigen Tour als eigene Aktivität in Garmin Connect gespeichert. Fünf Tage Weitwandern bedeuteten fünf getrennte Einträge, ohne dass du irgendwo die Gesamtsumme gesehen hättest. Mit Epic bündelst du beliebig viele Aktivitäten, die über Tage, Wochen oder Monate aufgezeichnet wurden, zu einer zusammenhängenden Story.
In dieser Story siehst du dann Gesamtzeit, Schritte, Distanz, Höhenmeter, den Verlauf deiner Geschwindigkeit und deine verbrannten Kalorien. Du kannst Fotos hinzufügen und deine Gesundheits- sowie Leistungsdaten aus diesem Zeitraum einblenden. Das Ganze lässt sich über Garmin Connect oder Social Media teilen.
Sinnvoll ist das nicht nur beim Bergsteigen oder auf einer Radreise. Auch ein Trainingslager oder ein mehrwöchiger Trainingsblock lässt sich damit als Einheit auswerten. Wichtig zu wissen: Epic ist eine kostenlose Funktion in Garmin Connect. Ob einzelne Bestandteile später hinter Connect+ wandern, hat Garmin bislang nicht kommentiert.
Wie funktionieren Stamina-Kurve und Stamina-Zonen?
Die Echtzeit-Stamina kennst du von den bisherigen Fenix-Modellen. Sie zeigt dir während einer Aktivität, wie viel Leistungsreserve du noch hast. Neu ist, dass Garmin diese Daten jetzt auch für die Planung nutzbar macht.
Die Stamina-Kurve zeigt dir, wie lange du unterschiedliche Belastungsstufen voraussichtlich durchhältst. Beim Laufen basiert sie auf der Pace, beim Radfahren auf der Leistung. Damit beantwortest du Fragen, die in der Trainingspraxis wirklich zählen. Wie schnell kann ich eine bestimmte Dauer realistisch laufen? Ist meine geplante Wettkampf-Pace überhaupt haltbar? Hat sich meine Fähigkeit verbessert, längere Belastungen aufrechtzuerhalten?
Das Modell dahinter berücksichtigt deinen Energieverbrauch, die geschätzte Trainingsbelastung, die angesammelte Belastung oberhalb deiner Laktatschwelle, deine VO2max, deine Laktatschwelle beim Laufen beziehungsweise deine FTP beim Radfahren, deine anaerobe Belastbarkeit und deine Trainingshistorie.
Zwei Einschränkungen musst du kennen, und die nennt Garmin selbst. Die Prognosen setzen voraus, dass du gut erholt bist und relativ gleichmäßig unterwegs bist. Berge, Antritte und Tempowechsel lassen deine Stamina anders sinken als vorhergesagt. Außerdem sind die Schätzungen laut Garmin nur bis zu Belastungen auf VO2max-Niveau zuverlässig. Behandle die Kurve also als Orientierung und nicht als Garantie.
Die Stamina-Zonen übersetzen dieselben Daten in fünf personalisierte Belastungsbereiche, von locker bis maximal. Sie sind für die Steuerung während der Einheit gedacht. Beim Laufen werden sie aus Laktatschwellen-Pace, VO2max und Trainingshistorie berechnet, beim Radfahren aus FTP, VO2max und Trainingshistorie. Nach der Aktivität siehst du, wie viel Zeit du in welcher Zone verbracht hast.
Der Unterschied ist simpel. Die Kurve beantwortet die Frage, wie lange du ein Tempo halten kannst. Die Zonen beantworten die Frage, wie hart du gerade arbeiten sollst.
Interessant finde ich, dass Garmin die Zonen hier tatsächlich an der Laktatschwelle ausrichtet und nicht an der maximalen Herzfrequenz. Bei den klassischen Pulszonen macht Garmin das bekanntlich anders, und das kritisiere ich seit Jahren. Bei den Stamina-Zonen ist der Ansatz methodisch sauber.
Was bringt die VO2max-Messung beim Indoor-Rudern?
Rudern auf dem Ergometer ist in den letzten Jahren enorm populär geworden, nicht zuletzt durch Hyrox und CrossFit. Garmin reagiert darauf und liefert für die Indoor-Rudern-Aktivität jetzt das volle Leistungspaket, also VO2max, FTP, Leistungskurve, Leistungszonen, Laktatschwelle und maximale Herzfrequenz.
Die Ruder-FTP ist die höchste durchschnittliche Leistung in Watt, die du etwa 60 Minuten halten kannst. Weil das Körpergewicht auf dem Ergometer eine geringere Rolle spielt als beim Radfahren, gibt Garmin sie als absolute Wattzahl an und nicht relativ zum Gewicht. Aus deiner FTP leitest du Leistungsvorgaben für Einheiten ab, dazu Zielpace pro 500 Meter und passende Trainingszonen. Garmin schätzt sie aus Leistung, Zugfrequenz und Herzfrequenz.
Ein Punkt, den du unbedingt wissen solltest. Deine Ruder-FTP liegt laut Garmin typischerweise 20 bis 40 Prozent unter deiner Rad-FTP. Wer die Werte eins zu eins vergleicht, wird sich unnötig ärgern. Die beanspruchte Muskulatur und das Bewegungsmuster sind schlicht andere. Die Klassifizierung berücksichtigt Geschlecht und Körpergewicht, wobei die Leichtgewichtsklasse bei Frauen bis 61,5 kg und bei Männern bis 75 kg reicht. Als Referenz dienen Daten von Concept2.
Die Ruder-VO2max beschreibt deine aerobe Kapazität speziell für das Rudern, also wie gut dein Körper Sauerstoff zur Energiegewinnung nutzen kann. Zusammen ergeben beide Werte ein rundes Bild. Die FTP sagt dir, wie viel Leistung du halten kannst, die VO2max sagt dir, wie stark das aerobe System dahinter ist.
Und jetzt kommt die Einschränkung, die in vielen Meldungen untergeht. Du brauchst dafür ein Rudergerät mit Leistungsmesser. Ohne kompatible Hardware bekommst du diese Werte nicht. Prüfe also vor dem Kauf, ob dein Ergometer die Daten überhaupt liefert. Alternativ kannst du bekannte Werte in Garmin Connect manuell eintragen.
Was mir dabei fehlt, ist der SkiErg. Der arbeitet mechanisch nach demselben Prinzip und ist bei Hyrox und CrossFit genauso präsent wie das Rudergerät. Dass Garmin die Granularität beim Rudern erhöht, den SkiErg aber außen vor lässt, ist schwer nachvollziehbar. Da gibt es noch Luft nach oben.
Was ist ArcheryX?
ArcheryX ist ein eigenständiges Aktivitätsprofil fürs Bogenschießen und ersetzt das bisherige Archery-Profil. Neu sind Daten zum Schusstiming und zur Zielstabilität in Echtzeit. In dieser Tiefe hat das bisher keine Garmin-Uhr geboten.
Ehrlicherweise ist das eine Nischenfunktion, die für den Großteil meiner Leser keine Rolle spielen wird. Für Bogenschützen ist es aber die erste ernstzunehmende Umsetzung dieses Sports auf einer Multisportuhr, und das darf man durchaus würdigen.
Der Punkt, der im Alltag vermutlich am meisten Freude macht, ist die überarbeitete Kartendarstellung. Mehr Arbeitsspeicher, eine neue Karten-Engine und bis zu 30 Prozent schnelleres Verschieben der Karte. Wer schon einmal auf einer Fenix 8 im Gelände hektisch über die Topokarte gewischt hat, weiß, warum das relevant ist.
Dazu kommt die neue perspektivische Ansicht. Statt der reinen Draufsicht bekommst du eine Darstellung, die dir Nah- und Fernbereich gleichzeitig zeigt und damit besser erkennen lässt, was als Nächstes kommt. TopoActive-Karten, SkiView mit über 2.000 Skigebieten und rund 43.000 Golfplätze sind vorinstalliert, für alles Weitere stehen dir die 64 GB Speicher zur Verfügung.
Alles in allem hat Garmin bei der Fenix 9 dort nachgelegt, wo es die Nutzer am deutlichsten gespürt haben, also beim Gehäuse, beim Display, bei der Kartenperformance und beim Speicher. Die Softwareneuerungen sind sinnvoll und nicht nur Marketing, besonders die Stamina-Werkzeuge und die Ruderdaten. Dass der Pulssensor unverändert bleibt, ist bei diesem Preisniveau trotzdem eine Enttäuschung. Wie sich die Uhr in der Praxis schlägt, vor allem bei Puls- und Streckenmessung, kann ich dir erst nach einem ausführlichen Test sagen.
Meine erste Einschätzung
Vorweg eine ehrliche Einordnung. Ich hatte die Fenix 9 noch nicht am Handgelenk. Alles, was du hier liest, beruht auf den offiziellen Datenblättern, der Pressemitteilung und dem Live-Event. Wie gut die Uhr wirklich ist, entscheiden Pulsmessung, Streckenmessung und der Alltag, und das kläre ich erst in meinem ausführlichen Test.
Was ich aber jetzt schon sagen kann, ist eine Einordnung dessen, was Garmin da abgeliefert hat. Und die fällt gemischt aus.
Wird die Fenix 9 dem Hype gerecht?
Ganz ehrlich, nein. In den vergangenen Wochen wurde über kaum ein anderes Wearable so viel spekuliert. Neuer Prozessor, Elevate der sechsten Generation, Blutdrucktrends, Triband-GNSS, dazu ein Live-Event mit großer Bühne. Was am Ende auf dem Tisch liegt, ist eine gute Modellpflege. Ein Generationssprung ist es nicht.
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn ich mich in den sozialen Medien umsehe, scheint es vielen Garmin-Fans genauso zu gehen. Die Erwartungshaltung wurde über Wochen aufgebaut, und Garmin hat sie nicht bedient. Das ist schade, weil die Uhr an sich gar nicht schlecht ist. Sie leidet vor allem unter dem Hype, der ihr vorausging.
Was Garmin richtig gut gemacht hat
Fairerweise möchte ich aber auch erwähnen, wo Garmin wirklich geliefert hat.
Die Verbesserungen greifen genau dort, wo Nutzer in den letzten zwei Jahren am lautesten gemeckert haben. Das zähe Verschieben der Topokarte war eine der größten Schwächen der Fenix 8, und mit 50 Prozent mehr Arbeitsspeicher und der neuen Karten-Engine geht Garmin dieses Problem endlich an. Der doppelte Speicher löst ein reales Problem, weil 32 GB mit Outdoor Maps+ schneller voll sind, als vielen lieb ist.
Und das Volltitan-Gehäuse ist echte Ingenieursarbeit, kein Marketing. Dass Garmin in der 51-mm-Pro ein 15 Prozent größeres Display unterbringt, ohne das Gehäuse wachsen zu lassen, und die Uhr dabei sogar noch etwas flacher baut, muss man erst einmal hinbekommen. Genau so wünsche ich mir Fortschritt. Der Nutzer bekommt mehr, ohne dafür einen größeren Klotz am Arm zu tragen.
Warum mich der Pulssensor enttäuscht
Und damit sind wir beim Punkt, der mich am meisten stört. Garmin verbaut weiterhin den Elevate der fünften Generation. Derselbe Sensor wie in der Fenix 8, derselbe wie in der Fenix 8 Pro.
Das bedeutet in der Praxis, dass sämtliche Gesundheitsfunktionen exakt auf dem Stand des Vorgängers bleiben. Kein neues Health-Feature, keine erweiterten Metriken, keine bessere Datengrundlage. Bei einer Uhr, die bei 999 Euro startet und in der Vollausstattung jenseits der 1.200 Euro liegt, ist das meines Erachtens zu wenig. Wenn ein Hersteller zwei Jahre Zeit hat und dann beim wichtigsten Sensor der Uhr nichts verändert, darf man das kritisch sehen.
Wer wegen neuer Gesundheitsdaten über ein Upgrade nachgedacht hat, bekommt schlicht keinen Grund geliefert.
Ein Detail bei der Akkulaufzeit, das mir aufgefallen ist
Beim Zusammentragen der Zahlen bin ich über etwas gestolpert, das bisher kaum jemand aufgegriffen hat.
Im Smartwatch-Modus liegt die Fenix 9 exakt auf Fenix-8-Niveau. Beide Generationen kommen in 43 mm auf 10 Tage und in 51 mm auf 29 Tage. So weit, so unspektakulär.
Im Aktivitätsmodus mit maximaler Genauigkeit sieht es anders aus. Die Fenix 8 schaffte in 51 mm noch 62 Stunden, die Fenix 9 kommt auf 45 Stunden. In 43 mm sind es 15 statt bisher 21 Stunden. Das ist quer über alle Größen rund ein Viertel weniger Laufzeit im anspruchsvollsten Ortungsmodus.
Zwei Erklärungen sind denkbar, und ich will hier seriös bleiben, weil ich es noch nicht selbst gemessen habe. Garmin hat mit dieser Generation die Bezeichnungen der Akkumodi geändert. Es ist also möglich, dass „maximale Genauigkeit“ technisch mehr verlangt als das alte „Alle Satellitensysteme plus Multiband“ und die Werte deshalb nicht direkt vergleichbar sind. Genauso möglich ist aber, dass helleres Display, größeres Panel und mehr Arbeitsspeicher real Strom kosten.
Wenn du deine Uhr auf langen Touren oder im Ultrabereich mit voller Ortungsgenauigkeit betreibst, solltest du diesen Punkt jedenfalls im Auge behalten. Ich werde das in meinem Test überprüfen.
Lohnt sich das Upgrade von der Fenix 8?
Meine klare Antwort für die allermeisten von euch lautet nein.
Du bekommst keinen neuen Sensor, keine erkennbar bessere Ortung und im Sportmodus möglicherweise sogar weniger Laufzeit. Was du bekommst, ist ein schöneres Gehäuse, ein helleres Display und flüssigere Karten. Das ist angenehm, rechtfertigt aber keine 1.000 bis 1.300 Euro, wenn du eine funktionierende Fenix 8 am Handgelenk trägst.
Dazu kommt eine ganz entscheidende offene Frage. Garmin hat der Fenix 8 in den vergangenen zwei Jahren sehr viele Funktionen per Firmware nachgereicht. Ob Garmin Epic, die Stamina-Kurve und die neuen Rudermetriken ebenfalls auf die Fenix 8 kommen, hat Garmin bislang nicht kommuniziert. Bei Epic spricht einiges dafür, weil die Funktion ohnehin größtenteils in Garmin Connect läuft. Sollte das so kommen, schrumpft der Upgrade-Grund auf reine Hardware zusammen. Und die ist eben nur nett, nicht notwendig.
Sinnvoll finde ich den Wechsel eigentlich nur in vier Fällen. Da hätten wir zum einen alle, die intensiv navigieren und denen das träge Panning auf der Fenix 8 im Gelände wirklich auf die Nerven geht. Dann jene, die inReach in 43 mm haben wollen, denn das gab es bisher schlicht nicht. Weiters alle, die ihre 32 GB regelmäßig vollmachen. Und zu guter Letzt diejenigen, die in 47 oder 51 mm ein MIP-Solar-Display in Kombination mit einem Titangehäuse suchen.
Trifft keiner dieser vier Punkte auf dich zu, dann bleib bei deiner Fenix 8 und spar dir das Geld.
Und wenn du eine Fenix 7 oder älter hast?
Da sieht die Sache völlig anders aus. Dieser Sprung lohnt sich deutlich.
Du bekommst nicht nur die Hardware-Verbesserungen zweier Generationen auf einmal, sondern vor allem die neue Bedienoberfläche, die Garmin der Fenix-7-Serie nie spendiert hat. Dazu AMOLED, Lautsprecher und Mikrofon, EKG, Tauchfunktion und die komplette Palette an Trainingsmetriken, die seit der Fenix 8 dazugekommen ist. Wenn du von dort kommst, ist die Fenix 9 ein rundes Paket.
Was ich Neukäufern rate
Ja, die Fenix 9 ist die bessere Uhr. Nur ist das nicht die einzige Frage, die du dir stellen solltest.
Die Fenix 8 wird in den kommenden Wochen kräftig im Preis fallen, und sie liefert dir rund 90 Prozent dessen, was die Fenix 9 kann. Wenn die Preisdifferenz bei 400 oder 500 Euro landet, ist die Fenix 8 aus meiner Sicht das deutlich vernünftigere Geschäft. Beobachte die Preise, bevor du zugreifst.
Und ganz unabhängig davon, ob du von der Fenix 8 kommst oder neu einsteigst, würde ich dir von einer Vorbestellung abraten. Warte die ersten unabhängigen Messungen zu Puls und Strecke ab. Bei Garmin gilt das leider doppelt, weil die letzten Generationen regelmäßig mit Firmware-Kinderkrankheiten gestartet sind. Ein paar Wochen Geduld haben sich da bisher immer ausgezahlt.
Meinen ausführlichen Test zur Fenix 9 findest du hier auf der Seite und auf meinem YouTube-Kanal, sobald ich die Uhr ausreichend lange im Alltag und im Training hatte.
Häufige Fragen zur Garmin Fenix 9
Garmin hat die Serie am 25. August 2026 vorgestellt. Bestellbar ist sie ab dem 28. August 2026.
Das Basismodell startet bei 999,99 Euro. Die Fenix 9 Pro kostet 1.099 Euro in 43 und 47 mm sowie 1.199 Euro in 51 mm. Für inReach zahlst du 100 Euro Aufpreis.
Die Pro hat ein komplett aus Titan gefertigtes Gehäuse, ein helleres AMOLED-Display mit bis zu 3.000 Nits, in 51 mm ein größeres 1,5-Zoll-Display, eine Taschenlampe mit zusätzlichem grünem Licht und optional ein MIP-Solar-Display sowie inReach. Der Funktionsumfang der Software ist bei beiden identisch.
Solar gibt es ausschließlich bei der Fenix 9 Pro in 47 und 51 mm, immer in Kombination mit einem MIP-Display. Das Basismodell kommt nur mit AMOLED.
Nein. Garmin verbaut weiterhin den Elevate-Sensor der fünften Generation mit Herzfrequenz, SpO2, Hauttemperatur und EKG.
Die Fenix 9 Pro Solar in 51 mm. Sie kommt im Smartwatch-Modus auf bis zu 57 Tage mit Solarunterstützung und im Energiesparmodus auf bis zu 291 Tage.
Ja. Du brauchst ein Rudergerät mit integriertem Leistungsmesser, sonst kann die Uhr die Werte nicht berechnen.



