Warum Dein Fitness Tracker nicht genau messen muss

Pulsuhr und Fitness Tracker genau Messung

Oft ist in diversen Medienberichten zu lesen und zu hören, daß Fitness Tracker und Sportuhren ungenau und daher bestenfalls witzige Gadgets sind. Doch dabei handelt es sich um völlig falsche Erwartungen

Immer wieder ist von großen Produkttests und Vergleichen zu lesen, in denen Experten Fitenss Armbänder und Pulsuhren auf Herz und Nieren prüfen. (beispielhaft Stiftung Warentest Wearables im Vergleich Test vom 12/2017)

Fast immer wird in solchen Tests die fehlende Präzision bei der Messung diverser Aktivitäten kritisiert. Konkret wird dabei die ungenaue

  • Schrittzählung
  • Distanzmessung
  • Kalorienrechner
  • Herzfrequenzmessng

angeführt.

Falsche Erwartungen beeinflussen das Ergebnis

Meines Erachtens geht man an solche Produkttests mit völlig falschen Erwartungen heran. Man fordert von Fitness Trackern und Sportuhren eine hohe Messpräzision, die aber überhaupt nicht möglich ist.

Abgesehen davon muss ein Fitness Armband oder eine Pulsuhr gar nicht genau messen und wäre aber trotzdem eine große Hilfe für den Nutzer.

Warum genaue Messungen fast nicht möglich und auch nicht notwendig sind, möchte ich Dir nun erklären.

Zu diesem Zweck will ich auf die vier oben genannten Funktion näher eingehen.
 

Schritte und Distanz

Fitness Armband Schritte zählen

Das Schrittzählung und Distanzmessung gehört zu den Kernfunktionen eines Fitness Trackers. Doch schon diese Basics geraten oft ins Kreuzfeuer der Kritik.

Fitness Armbänder erkennen verschiedene Aktivitäten durch integrierte Sensoren. Die dabei ermittelten Messdaten werden anhand komplizierter Algorithmen in Bewegungsmuster umgewandelt. So werden unter anderem Schritte erkannt und gezählt

Die Genauigkeit der Schrittzählung ist dabei abhängig von der Qualität der verwendeten Sensoren und der eingesetzten Algorithmen.

Ein weiteres Problem ist die Ähnlichkeit unterschiedlicher Bewegungsabläufe. Da Fitness Tracker üblicherweise am Handgelenk getragen werden, kann Klatschen, Tanzen oder sogar Zähneputzen als Schritte fehlinterpretiert werden.

So konnte es in früheren Jahren besonders bei günstigeren Geräten zu Fehlmessungen bis zu 10% des Gesamtergenbisses kommmen. In der Zwischenzeit wurden Sensoren und Algorithmen weiterentwickelt und verbessert, wodurch die Messungen inzwischen wesentlich genauer wurden.

Auch die Distanzmessung wurde in den vergangenen Jahren immer wieder hart kritisiert. Dabei ist eine präzise Messung der zurückgelegten Strecke aufgrund der gemachten Schritte einfach nicht möglich.

Um die Distanz auf Basis der Schritte zu berechnen, werden aufgrund biometrischer Daten des Nutzers ( Alter, Gewicht, Geschlecht, Größe) durchschnittliche Schrittlängen ( statistische Mittelwerte) als Berechnungsgrundlage verwendet. Schon alleine aus diesem Grund, können Distanzangaben nur Annäherungswerte sein.

Berücksichtigt man nun auch noch, daß jeder von uns über den Tag in unterschiedlichen Tempi geht, was sich zwangsläufig auf die Schrittlänge auswirkt, wird eine präzise Distanzmessung nahezu unmöglich.

Die gelieferten Daten können daher nur als Annäherungswerte betrachtet werden, die eine grobe Orientierung zur täglichen Streckenleistung bringen.

Die Distanzmessung kann durch die Eingabe der persönlichen Schrittlänge etwas verbessert werden. Wer es ganz genau haben möchte, dem empfehle ich Fitness Tracker mit GPS, deren Messung oft auf wenige Meter genau sind.

Warum es keine Rolle spielt, ob Dein Fitness Tracker Deine Schritte
oder die dabei zurückgelegte Distanz nicht genau misst, erklären wir gleich.

 

Kalorienrechner

Fitness Armband Kalorienzähler

Besonders für Menschen, die mehr Bewegung machen möchten um abzunehmen, ist der Kalorienzähler am Fitness Tracker eine der wichtigsten Funktionen.

In schöner Regelmäßigkeit werden immer wieder Studien  teils namhafter Institutionen veröffentlicht, in denen Fitness Armbänder und Sportuhren als Kalorienrechner verheerend schlecht abschneiden.

Abgesehen davon, daß in solchen Untersuchungen interessanterweise oft überholte Geräte und Modelle verwendete werden, die nicht mehr produziert werden, stellt sich trotzdem die Frage, warum dieses schlechte Ergebnis.

Auch für die Berechnung des Kalorienverbrauchs gilt Ähnliches wie für die Distanzmessung.

Zur Ermittlung sind wiederum biometrische Daten wie Alter, Geschlecht und Gewicht notwendig, auf deren Grundlage und unter Zuhilfenahme verschiedener Durchschnittswerte der Grundumsatz berechnet wird. Für diese Berechnung gibt es aktuell drei verschiedene anerkannte Formeln, die jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Um den zusätzlichen Kalorienverbrauch bei einer Aktivität oder beim Sport zu messen, bedient man sich wiederum am Metabolischen Äquivalent, dessen Basis jedoch der Grundumsatz ist.

Einfacher formuliert – Auch Angaben über den Kalorienverbrauch können zwangsläufig nur ein Annäherungwert sein. Es ist nun mal nicht möglich mit einem kleinen Fitness Tracker eine aufwändige Spiroergometrie durchzuführen.

Mehr zum Thema erfährst Du in meinem Artikel Fitness Tracker – So misst Du Deinen Kalorienverbrauch richtig

Weshalb es völlig egal ist, ob Dein Stoffwechsel auf die Kalorie genau gemessen wird, erklären ich gleich.

 

Herzfrequenzmessung

In den letzten Jahren haben sich zwei Methoden zur Messung der Herzfrequenz am Markt etabliert.

  • Die Messung mittels angelegten Brustgurt
  • die integrierte optisch-elektrische Messung am Handgelenk

Während die Brustgurt-Methode bereits seit Langem als sehr präzise und zuverlässig gilt, wurde die Messung am Handgelenk immer wieder als sehr ungenau kritisiert.

Doch bei genaueren Hinsehen erweist sich diese Kritik als völlig haltlos. Studien von Epson und Mio Global zur Genauigkeit der optischen Pulsmessung  bestätigten nur minimale Messunterschiede zu EKG und Brustgurtmessung.

Auch ich konnte in zahlreichen Produkttests  feststellen, daß die integrierte Pulsmessung besonders bei Ausdauersportarten wie Laufen oder Radfahren sehr gute Ergebnisse liefert.

Besonders erfreulich ist der Trend, daß am Markt immer mehr Geräte angeboten werden, die sowohl Messung am Handgelenk und alternativ mit Brustgurt ermöglichen. So kann der Nutzer je nach Präferenz oder Sportart immer die gewünschte Messmethode einsetzen.
 

Eine kurze Geschichte von 300 fehlenden Schritten

Stell Dir dazu folgende Situation vor. Bisher warst Du ein richtiger Couchpotato. Die längste Distanz, die Du täglich gegangen bist, waren die paar Meter zwischen Deiner Wohnungstür und dem parkenden Auto.

Eines Tages jedoch beschließt Du, Deinen Lebensstil zu ändern und möchtest täglich 10.000 Schritte gehen. Du erledigst alle Deine Wege zu Fuß und findest sogar Zeit, ein bis zwei Mal in der Woche einen ausgedehnten Spaziergang zu unternehmen.

Und überall ist Dein Fitness Tracker dabei. In den ersten Wochen schaffst Du täglich 4.000 – 5.000 Schritte, einige Zeit später sind es dann schon 7.000 und irgendwann schaffst Du die magischen 10.000. Du freust Dich, Du bist stolz auf Dich und genießt Deinen neuen aktiveren Lebensstil.

Kurze Zeit später findest Du jedoch heraus, daß Dein Fitness Tracker Deine Schritte nicht präzise zählt und Du tatsächlich nicht 10.000 sondern nur 9.700 Schritte täglich machst. Was jetzt?! War die ganze Mühe umsonst?!

Nein, ganz und gar nicht. Es spielt überhaupt keine Rolle, daß Dein Fitness Tracker nicht genau gemessen hat oder Du nun 300 Schritte mehr oder weniger gemacht hast. Viel wichtiger ist, daß Du Deinen Lebensstil grundlegend geändert hast. Und Dein Fitness Armband hat Dir dabei gezeigt, daß Du täglich Deinem Ziel näher kommst. Ein Fitness Tracker ist kein Präzisionsmessgerät sondern Dein Erfolgstagebuch.
 

Trends statt Ziele

Es geht also nicht um die Erfüllung irgendwelcher Tagesziele, dem Erreichen von neuen Bestmarken und dem Aufstellen neuer Rekorde. Viel wichtiger ist ob Du es schaffst, langfristig und dauerhaft mehr Bewegung zu machen.

Wenn Du Dir Deine gesammelten Daten der letzten Wochen und Monate ansiehst, dann erkennst Du idealerweise einen Trend zu mehr Aktivität und Sport. Dabei spielt es dann keine Rolle mehr, ob Dein Fitness Tracker absolut präzise Messwerte liefert.

Im Optimalfall werden Dir nicht nur Zahlen und Daten bestätigen, daß Du ein aktiveres und sportlicheres Leben führst. Du wirst es auch an Dir selbst bemerken. Du wirst Dich kraftvoller, leistungsfähiger, ausgeruhter und fitter fühlen.
 

Fazit

Produkttests und Studien der letzten Jahre vermitteln immer wieder dein Eindruck, daß Fitness Tracker oder Sportuhren mobile sportmedizinische Labore sein müssten, die Daten und Analysen in höchster Qualität und Genauigkeit zu liefern haben. Natürlich werden die Geräte dieser völlig überzogenen Erwartungshaltung nicht gerecht.

Natürlich gibt es am Markt immer wieder Modelle von schlechtester Qualität, deren gemessene Daten jegliche Präzision vermissen lassen. Doch die Produkte der führenden Hersteller, funktionieren zuverlässig und liefern insgesamt vertrauenswürdige Daten.

Zum Abschluss daher nochmals in aller Klarheit: Fitness Tracker und Sportuhren sind keine Präzisionsmessgeräte, sondern sollen Dir dabei helfen, ein aktiveres Leben zu führen.

In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Bewegung, Sport und Fitness – und natürlich eine ordentliche Portion Spass :-)